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Page # 334

Mein Führer - Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler
ID:
2006
Comments:
Director: Dani Levy
Screenplay:
Producer:
Cast: Helge Schneider, Ulrich Mühe, Sylvester Groth
Genre: Komödie

Running Time: 91
Aspect Ratio:  16:9 (NTSC )
Sound: Dolby
Subtitles:
Features:
Studio:  Warner Home Video - DVD DVD Region:  2 Freigegeben ab 12 Jahren
DVD Release:  Sep. 2007 Discs:  (DVD) []
Purchase: 
Reviews:  Es wird behauptet, Adolf Hitler selbst hätte während einer Privatvorführung von Chaplins "Der große Diktator" langanhaltend und schallend gelacht. Auch wenn es reine Spekulation wäre, des "Führers" Verhalten beim Betrachten von Dani Levys Film zu mutmaßen, nachdem ich diesen Film genossen hatte, keimte in mir der spontane Wunsch, diesen Streifen knappe 70 Jahre zuvor veröffentlicht zu sehen.
Was mein eigenes Verhältnis zum Nazi-Deutschland angeht, so ist für mich diese Epoche ebenso Geschichte, wie jede andere Epoche vor meiner Existenz. Jedes einer massensuggestiv angestachelten Mörderbande egal welcher Ideologie, Religion und Herkunft zum Opfer gefallene Menschenleben ist ein Menschenleben zu viel. Punkt. Und wie die gegenwärtige Geschichte beweist, ist der zu Morden bereite Fanatismus seit Ende des Zweiten Weltkrieges keinesfalls unpopulär geworden, egal, in welche geographisch-politische Himmelsrichtung man schaut.
Insofern sind noch viel mehr Filme, in denen Volksverführer in all ihrem lächerlichen Weltherrschaftswahn gezeigt werden, geradezu wünschenswert.
Sozusagen selbst immun gegenüber Verantwortungs- oder gar Betroffenheitsgefasel zu einer Epoche, die ich qua Nichtexistenz meiner Person nie hätte in irgendeiner Weise beeinflussen, verhindern oder gar mittragen können, führte mich reine Neugier zum Kauf dieses Films.
Allein der Gedanke, daß ein Regisseur (dessen religiöser Hintergrund mir völlig wurscht ist)in Deutschland ausgerechnet einen exzellenten Charaktermimen (Ulrich Mühe) wie einen bis dato vor sich hin dilettierenden "Stilautisten" (Helge Schneider) als gegensätzliche Protagonisten in einer Hitler-Parodie zusammenführt, faszinierte mich. Und ich gestehe: Ich hielt im Vorfeld eher das Scheitern dieses Wagnisses für möglich. Um es kurz zu machen: Ich halte "Mein Führer - die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler" für die nuanciertere Parodie im Vergleich zu "Der große Diktator". Denn im Gegensatz zu Chaplins Film, der sich reichlich puren aber leider auch recht oberflächlichen Slapsticks bedient, setzt Levy auf das psychologische Element der Komik, durchaus auch der Situationskomik, soll heißen, in diesem Film sind die evozierten Lacher befreiende Seelenlacher, während Chaplin zu oft auf den Schenkelklopfhumor setzt und mit den Figuren Hitler und Mussolini eher Stan und Laurel parodiert denn umgekehrt. Daß ausgerechnet Helge Schneider darin den weitaus schwierigeren Part des Balanceaktes zwischen der historischen Figur Hitlers und dem menschlichen Psychopathen unter dieser Fassade zu mimen hatte, ließ mich zwischen Respekt gegenüber dem Mut des Regisseurs, bzw, dessen von mir unterstellten kompletten Sockenschuß schwanken. Ich gestehe, je länger ich Schneiders Gestiken und Dialoge in dem Film verfolgte, um so mehr erwartete ich das Einbrechen dieser Figur. Das völlige Gegenteil ist eingetroffen: Ich kann mir derzeit keinen brillierenderen Hitler-Parodisten vorstellen als Helge Schneider, um so weniger allerdings kann ich Schneiders Distanzierung von diesem Film nach den Dreharbeiten nachvollziehen. Auch wenn durchaus Ulrich Mühes exzellentes Spiel quasi als unterstützende Führung Schneider zu einigen bravourösen Szenen verführt haben mag - insofern ist die Aufgabe Mühes, den Führer psychologisch aus einer Depression aufzurichten, sicher auch ein Teil Realität am Set selbst geworden - Schneider hat sich in dieser Figur retrospektiv gesehen selbst an die Wand gespielt. Helge Schneiders darstellerische Leistung ist mit keiner seiner aus anderen Filmen bekannten auch nur annähernd vergleichbar, in keinem einzigen Moment wirkt Schneiders Spiel überzogen oder gar neben seiner Figur stehend, verleiht seiner Figur meines Erachtens sogar noch mehr Authentizität als seinerzeit Chaplin.
Daß Levy in seinem Film ebenso mehr durchleuchten läßt, daß selbst der größte Diktator nur allein von seinen Mitläufern getragen werden kann, die den selben Größenwahn teilen, macht diesen Film in meinen Augen auch pädagogisch sinnvoller als seinerzeit Chaplins Parodie. Chaplin demontierte Hitler - zweifelsohne - Levy demontiert den Fanatismus schlechthin, verleiht seinem Film mithin weitaus mehr Tragik, als er unterschwellig vermittelt, daß der Fanatismus in jedem Einzelnen verborgen steckt. Insofern ist dieser Film tatsächlich "Ein Scheiß Film" in den Augen jener, die diese Tatsache für sich völlig ausschließen wollen. Daß selbst Mühe in der Rolle des jüdischen Schauspiellehrers Adolf Grünbaum mehr und mehr diesem Fanatismus zu erliegen droht - obwohl sehend den eigenen Untergang vor Augen, ist - befreit von jeglichem ideologischen Überbau - eine schallende tiefenpsychologische Ohrfeige an jede Art von Glaube an irgendeine Macht - und sei es die eigene - der Manipulation. Insofern ist "Mein Führer", denkt man sich schlicht die Figur Adolf Hitler als historische Instanz weg, eine mit viel Liebe ausgestaltetes filmisches Psychogramm eines beliebig austauschbaren Machtmenschen. Während Chaplin die Glorie um Hitler schlicht mit der Glorie des unbeugsamen Friseurs ersetzt, insofern dem Blendwerk an sich absolut nichts entgegensetzt ("Gut" und "Böse" unterscheiden sich lediglich durch die Vorzeichen moraltriefender Attribute) bezeugt Levys Film die absolute Wertlosigkeit egal welcher Glorie. In diesem Sinne sind auch ursprünglicher Anfang und Ende dieses Films zu verstehen: Hitler als hundertjähriger Greis darauf wartend, daß die einstige Glorie wieder erwache. - Sich diesem inneren Spiegelbild stellend, dazu scheint das deutsche Publikum noch nicht bereit und verdrängt lieber weiterhin das Vorhandensein einer inneren Verführung eines Über-Ich über anderer, statt dieses zu entmachten. Letzthin ohrfeigte sich das Publikum, das diesen Schluß nicht wollte, selbst, ohne es zu merken.
Daß diese Ohrfeige von allen Darstellen bravourös mitgestaltet wird, die Kulissen fein aufeinader abgestimmt sind, der Plot nirgends ins Seichte oder Triviale umzukippen droht, die Kameraführung zwar hautnah am Geschehen dabei, nie aber Intimsphäre verletzend ist, keine der Figuren als reiner Idiot, sondern als vielschichtiges Wesen gefangen in persönlichem Irren, Wahn, Wunschglaube und Selbstüberschätzung gezeichnet ist, macht diesen Film an sich zu einer intellektuellen Herausforderung, die jedoch mit einer guten Portion augenzwinkernden Humors nicht nur ellein reine Kopfkost sondern auch magenfreundliche Nahrung darstellt.
Levy macht vor, wie mit der Vergangenheit unserer Großvätergeneration umgegangen werden sollte: Gleichzeitig lachend und damit auch den inneren Schweinehund ernsthaft vertreibend.


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