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Page # 429

Red Dragon
ID:
2002
Comments:
Director: Brett Ratner
Screenplay:
Producer:
Cast: Anthony Hopkins, Edward Norton, Ralph Fiennes, Harvey Keitel, Emily Watson
Genre: Action, Thriller

Running Time: 121
Aspect Ratio:  2.35:1 (PAL )
Sound: Dolby Digital 5.1
Subtitles: Englisch, Ungarisch
Features:
Studio:  Universal Pictures UK DVD Region:  2
DVD Release:  Feb. 2004 Discs:  1 (DVD) []
Purchase: 
Reviews:  "Red Dragon" ist der erste Teil der Hannibal Lecter-Trilogie, ein Hollywood-Genrefilm, in dem das FBI einen Serienmörder und Vergewaltiger jagt, der seiner Opfer unvorstellbar grausam zurichtet. Anthony Hopkins als Lecter (leider bietet er nicht mehr als Lecter-Manierismen) und Harvey Keitel als Chef-Inspektor. Doch der eigentliche Protagonist des Films ist FBI-Sonderermittler Graham (Edward Norton - blass) und sein Antagonist Francis Dolarhyde (Ralph Fiennes - grandios). Was diesen Film über alle Genre-Klischees, Hollywood-Stereotypen mit kitschigen "I love you"-Familien-Sequenzen und flach gezeichneten Charakteren hinaushebt und diesem Film auch für andere Zielgruppen zu einem Ereignis macht, ist das hervorragende Schauspieler-Trio Ralph Fiennes sowie als Nebenfiguren die wunderbare Emily Watson (die schon in Lars von Triers sehenswerten "Breaking the Waves" brillierte) und der herrlich schmierig gespielte Tatler-Reporter von Philip Seymour Hoffman (der in "Capote" eine seltene schauspielerische Meisterleistung ablieferte). Sie brechen das Genreklischee auf und machen den Film interessant.

Fiennes legt Dolarhyde als einen pathologisch Schizophrenen realitätsgetreu an, der ohne Eltern aufwuchs und schon als Kind missbraucht wurde. Als Erwachsener lebt er völlig zurückgezogen, gilt als zuverlässiger, unauffälliger, in sich gekehrter, schweigsamer Kollege ohne über die Arbeit hinausreichende Kontakte. Als sich seine blinde Kollegin Reba in ihn verliebt, erlebt der Zuschauer eine erste schauspielerische Glanzleistung: ohne dass sich beide berühren, ohne Kuss, ohne jede Andeutung einer üblichen Liebesszene blickt die Kamera über Rebas Schulter in Dolarhydes Gesicht, wo sich in unglaublicher Intensität all seine Sehnsucht nach Nähe, Liebe und Sex aber eben auch seine unüberwindliche Angst vor sich selbst und seinen inneren Dämonen abspielt, dass einem der Atem stockt.

Dolarhyde ist nicht in der Lage, jene Dämonen als abgespaltene Schatten seiner Seele zu erkennen, sondern er projiziert sie nach außen wie Geister auf Figuren des von ihm verehrten Malers und Lyrikers William Blake, von denen er sich fremdbestimmt fühlt, die immer wieder Besitz von ihm zu ergreifen scheinen. Als alles Menschliche übersteigende Größenphantasien steigen sie ihm auf und lassen ihn auf Rachefeldzug gegen Frauen ziehen. Dolarhyde ringt mit sich, kämpft gegen diesen Teil seines Wesens an, versucht, sich auf eigene Faust davon zu befreien. Aber seine pathologische Krankheit lassen ihn nicht das geeignete Mittel finden, was seinen Selbsthass und seine Selbstverachtung zunehmend steigert. Fiennes macht ihn menschlich, indem er das Leiden dieser Figur an sich selbst fühlbar macht, ohne seine Taten zu entschuldigen oder zu verharmlosen. Deshalb kann der Zuschauer sich auf ihn einlassen.

Die Figur Dolarhydes in all ihren Nuancen und Windungen und inneren Kämpfen zu sehen, die im Gesicht von Ralph Fiennes zum Ausdruck kommen, in seinem Gang, seiner Körperhaltung und im Zusammenspiel mit Emily Watson und Philip Seymour Hoffmann, macht den Film so besonders und sehenswert. Schade ist es, dass er genregerecht endet: Dolarhyde gehört in eine psychiatrische Klinik, wo ihm geholfen werden kann, doch natürlich wird im Film das Böse am Ende eliminiert aus der heilen Hollywood-Welt und damit Dolarhyde einfach abgeknallt. Fiennes` starke Figur jedoch bewirkt, dass der Zuschauer allmählich doch nicht mit dem blassen FBI-Ermittler fiebert, sondern mitfühlend Dolarhydes Hilfsbedürftigkeit wahrnimmt, versteht, dass er keine Bestie ist, wie das FBI behauptet, sondern ein kranker Mensch. Das Hollywood-Ende hinterlässt deshalb einen Beigeschmack. Doch vielleicht entspricht dies der europäischen Sichtweise dieses US-Thrillers und Fiennes hat als Europäer diese europäische Moral in die Geschichte subversiv hineingeknüpft.

Anthony Hopkins bleibt in seinen Szenen manieristsisch-uninteressant. An der Grenze zum Erträglichen ist die klischeevolle, flache, an den Kitsch grenzende Darbietung von Edward Norton. Besonders ohne Fiennes, aber auch ohne Watson und Hoffmann wäre der Film nicht der Rede wert, während Fiennes` Leistung fünf Sterne verdient. So gebe ich insgesamt unter dem Strich drei Sterne.


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